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Sanherib

Sanherib "der Grosse"(705-681)

anherib war ohne jeden Zweifel einer der schillerndsten Herrscher Mesopotamiens, ein Mann von enormen Fähigkeiten und grosser
Tatkraft. Geboren um 745 v. Chr., war er als ältester überlebender Sohn Sargons vermutlich in Kalchu aufgewachsen, der langjährigen
Hauptstadt der assyrischen Könige; bald nach Sargons Thronbesteigung 722 wurde er offiziell zum Kronprinzen ernannt und hatte in dieser
Rolle reichlich Gelegenheit, die Staatsgeschäfte kennen zulernen.


Sanherib

Während der zahlreichen Feldzüge seines Vaters fungierte er als Regent  Assyriens und korrespondierte, wie wir den aus dieser Zeit erhaltenen Staatsbriefen entnehmen können, mit Gouverneuren und Generälen, empfing Tribut, kümmerte sich um Überschwemmungen im
assyrischen Kernland, verhandelte über die Entlohnung der Palastgarde und war mit Palast- und Gartenbauprojekten in der Residenz Dur-
Scharrukin befasst. Sanherib war ein gut vorbereiter Staatsmann. Doch der unselige Tod des Vaters war ein schweres Erbe für den neuen
Grosskönig, denn da man dies als Strafe der Götter interpretierte, sahen viele Vasallen die Zeit für Reif, um sich der Assyrer zu entledigen.

Babylon erklärte sich für unabhängig, die Fürsten der Mittelmeerküste, Syriens, Libanons und Palästina taten das gleiche. Sie glaubten Assyrien wäre schwach; das assyrische Hegemonialsystem war bedroht. Doch mit Sanherib war ein König im Amt, der nicht gewillt war die Vormachtstellung im Nahen Osten aufzugeben oder auch nur eine Schwächung zu tolerieren. Zuerst wandte er sich dem wichtigen Babylon zu. Zwischen 705 bis 702 unternahm mehrere Feldzüge und unterwarf die aufständischen Babylonier, nahm den Thron Babylons wieder ein und liess einen Vizekönig zurück.

Im Jahr 701 formierten die Fürsten der Levante eine grosse Koalition um Sanheribs Rache zu entgehen, doch es gelang dem Grosskönig eine Entscheidungsschlacht zu erzwingen und die Oberhoheit über Phönizien und Palästina zurückzuerlangen. Nur kurz darauf besiegte Sanherib bei Eltheke ein Heeresverband der Ägypter, eroberte und zerstörte Lachisch. Danach entsandte er die Heermassen Assurs nach Kleinasien um den Tod seines Vaters zu rächen und den Machanspruch Assyriens bis an die Ägäis zu tragen, auch Zypern konnte erobert und in eine Provinz verwandelt werden. In nur fünf Jahren gelang es König Sanherib die Vormachtstellung Assyriens nachhaltig zu festigen und sogar auszubauen. Dies ist sicherlich Sanheribs berühmteste Darstellung, sie zeigt den thronenden Sanherib nach der Eroberung von Lachisch, wie sich die besiegten Fürsten dem Grosskönig unterwerfen müssen. Aus den sogenannten Lachisch-Zyklus:

Im Jahr 700 setzte Sanherib seinen ältesten Sohn Assur-nadin-schumi als Regenten von Babylon ein. 694 kam es dort zu einem Aufstand wobei der Prinz nach Elam verschleppt und dort zu Tode kam. Sanherib war ausser sich vor Zorn. Er benötigte mehrere Kampagnen um die babylonische Rebellion zu beenden. Seine Feldzüge zu Wasser und zu Land gegen Elam brachten keine Entscheidung. Sanheribs Rache richtete sich letztlich gegen Babylon; er liess es dem Erdboden gleich machen:

„Die Stadt Babylon und die Häuser vom Fundament bis zu ihren Zinnen zerstörte ich, riss ich nieder, verbrannte ich mit Feuer. Von der inneren Mauer und der Aussenmauer, von den Tempeln, von der Zikkurat des Marduk riss ich die Ziegel und Erde, soviel da war, heraus und warf sie in den Tigris. Inmitten dieser Stadt grub ich Kanäle und ebnete ihre Fläche durch Wasser ein. Die Struktur ihrer Fundamente zerstörte ich und verwüstete sie mehr als eine Sintflut. Damit in der Zukunft der Standort dieser Stadt und der Gotteshäuser nicht mehr zu identifizieren sei, löste ich sie in Wasser auf, vernichtete sie wie Schwemmland, indem ich den grossen Fluss über diese Stadt fließen liess.“

Doch Sanherib sollte nicht nur zerstören sondern auch grossartiges erschaffen. Sofort nach seiner Thronbesteigung verkündete er, dass er eine neue Hauptstadt bauen wolle, die grösser und schöner sein möge als alles was man je auf Erden gesehen hätte. Er entschloss sich für Ninive als Objekt seines Traums. Das Vorbild war Dur-Scharrukin, (Sargons Burg) die Residenz seines Vaters Sargon. Sie verliess er, denn das Schicksal seines Vaters erschien ihm als schlechtes Omen. Darüber hinaus war ihm Dur-Scharrukin scheinbar viel zu klein. Er hatte grösseres vor, sehr viel Grösseres. Die Stadt des Sargon wurde zum Sitz eines Statthalters und sollte nur noch gelegentlich als Sommersitz des Hofes dienen. Ninive sollte die Hauptstadt werden, die einem so enormen Reich wie das der Assyrer auch würdig war. Eine Anlage die durch ihre Ausdehnung und Pracht das Sinnbild der Macht des Königs sein sollte.

Sanherib liess zwei Palastbezirke errichten, einen nördlichen und einen südlichen. Dafür wurden jeweils zwei Terrassen erbaut, auf denen sich die königlichen Bezirke mit ihren Tempeln, Gärten und Palästen erhoben. Im nördlichen befanden sich die Hauptpaläste, der südliche ist bis heute wenig erforscht, da sich dort eine Siedlung befindet. Bisher konnten nur das Arsenal Sanheribs und einige Nebengebäude identifiziert werden. Sicherlich befanden sich dort noch sehr viele Gebäude die mit dem König und seiner Verwaltung in Verbindung standen.

Sanheribs „Palast ohnegleichen“ „Ich habe für meine Majestät einen Palast erbaut aus Gold, Silber, Bronze, Karneol, Breccie,
Alabaster, Elfenbein, Ebenholz, wertvollen Hölzern des Orients, dem Holz von Buchsbaum, Zeder, Zypresse, Wachholder, Sandelholz und Eichenholz aus Sindu“.
Dieser Palast war das Hauptwerk Sanheribs. Er hatte das ehrgeizige Ziel den grössten und prunkvollsten Palast zu bauen den man je errichtet hatte. Dies sollte ihm gelingen. Der „Palast ohnegleichen“ war so titanenhaft, dass er die Hälfte des Palastbezirk einnahm und nur der Tempel der Ischtar ihm Einhalt gebieten konnte. Die Inschriften berichten, dass Menschen aus dem gesamten Reich zu den Arbeiten herangezogen wurden. Der Palast bestand aus schier endlosen Abfolgen von Sonnenhöfen, Hallen, inneren Gemächern, Bankettsälen und Korridoren. Über und über mit marmornen Skulpturen geschmückt, war der Palast im Inneren höchst repräsentativ.

Die dunkle Farbe der Deckenbalken habe man so sehr aufgehellt, dass sie glänzte „wie der Tag“; ringsum seien an den Wänden Beschläge aus Silber und Kupfer angebracht vermutlich in Form von Friesen, und schliesslich bildeten glasierte Ziegel in der Farbe von Obsidian und Lapislazuli ornamentale Motive in den Wölbungen der Bögen und den Paneelen sowie als Schmuckfriese an den Wänden. Auch wird erwähnt, dass Sanherib einen gewaltigen Portikus (Säulenhalle) errichtet habe mit massiven bronzenen Säulen, die auf Bronzelöwen ruhten. Jede Säule hatte ein Gewicht von fast 50 Tonnen. Sanherib liebte Gärten und Parkanlagen wie kaum ein anderer, nicht nur im nördlichen Palastbezirk liess er Gärten errichten, nein, er liess direkt im Norden von Ninive eine sagenumwobene Gartenanlage errichten.

Für Ninives Einwohner es waren etwa 250.000 und für seine Gärten baute er mehrere Aquädukte; einige holten das Wasser aus 50km Entfernung. Sanherib vernachlässigte auch die Festungswerke Ninives nicht. Nachdem er die Stadt so enorm vergrössert hatte, umgab er sie mit einer 12km langen und mindestens 25m hohen Doppelmauer, in die 18 monumentale Torbauten integriert waren. Damit war Ninive nun das glanzvolle Haupt der Welt.

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DruckenDrucken | 06-01-2010, 15:40:00 | Admin

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