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Ergenekon-Fall und die Suryoye

Tausende von ungelösten politischen und religiösen Morden sind durch das Terroristennetz Ergenekon in der Türkei angeblich begangen worden. Unter diesen sind die Morde an bis zu 50 Suryoye1 während einer zehnjährigen Periode zwischen 1987 und 1997 im Turabdin - in der südöstlichen Türkei. Die Suryoye haben begonnen, zum ersten Mal offen darüber zu sprechen.


Ergenekon-Fall und die Suryoye

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Cihan, hat Gebro Tokgöz, der in Midyat lebt, um eine Untersuchung dieser ungelösten Morde gebeten.
"Ergenekon- Staatsanwälte sollten verpflichtet werden alle Morde zu untersuchen, die gegen die Suryoye in Turabdin begangen worden sind." sagte Gebro Tokgöz. "Damals erhielten wir häufig anonyme Drohbriefe und Anrufe. Unsere Dörfer sind angegriffen worden und der berühmte Arzt Edward Tanriverdi wurde ermordet, als er auf dem Heimweg war. Sogar eine schwangere Frau und ihr Mann wurden brutal ermordet. Aber die Polizei schloß ihre Ermittlungen, ein Fall nach dem anderen, unter Berufung auf "unbekannte Täter."

Doch kurz nachdem dieses Interview veröffentlicht wurde, ist Gebro Tokgöz von der lokalen Zeitung Midyat Habur interviewt worden. In diesem Interview sagte er, daß die Nachrichtenagentur Cihan ihn falsch zitiert hatte, und daß er nicht vor habe, Ergenekon oder irgend jemanden für die Morde verantwortlich zu machen, die an die Suryoye im Turabdin begangen worden sind. Gemäß der Suryoye in diesem Gebiet hat Gebro Tokgöz seine Behauptung aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen geändert.

Während des andauernden Ergenekon-Falls verhaftet die Polizei Mehmet Ülger, ein pensionierter Armeeoberst, Ruhi Abat, ein Theologie-Professor an der Inönü Universität und andere Personen, die den Mord an drei Missionaren am Zirve Verlagshaus in der Stadt Malatya geplant hatten. Die Mörderbande war eine Gruppe von Studenten im Alter um die 20 Jahre. Nach einem anonymen Hinweis nahm die Polizei die Rädelsführer fest. Die Polizei deckte in Ihren Untersuchungen auf, dass es sechs Monate vor den Morden fieberhafte Kontakte über Mobiltelefone zwischen den Mördern und den Rädelsführern gegeben hatte. Anruflisten zeigen, dass mindestens 12 Anrufe pro Tag zwischen allen Parteien während der sechs Monate stattgefunden hatten. Die letzten Anrufe wurden am Abend nach dem Mord an drei Christen gemacht, die in ihrem Verlagshaus enthauptet wurden. Nach den Morden wurden alle Anrufe vom Handy zwischen den Mördern und den Rädelsführern abgebrochen.

Am 1. November 1997, wurde Varner Basoglu, der Sohn des Syrisch Katholischen Kirchvorstandsdirektors Basoglu, ermordet aufgefunden. Der Mord geschah, nachdem die Kirche eine Strafanzeige gegen den türkischen Staat gestellt hatte, da dieser das Eigentum der Kirche beschlagnahmt hatte. Am 5. Februar 2006 wurde der 60-jährige Priester Andrea Santoro in seiner Kirche in der Stadt Trabzon erschossen. Der Mörder war ein 16-jähriger Junge. Am 2. Juli 2006 wurde der katholische Priester Pierre Brunissen in der Stadt Samsun erstochen. Am 19. Januar 2007 wurde der armenische Journalist Hrant Dink auf offene Straßen mittags in Istanbul ermordet. Der Mörder von Hrant Dink war 17 Jahre alt. Der Mörder von Dink Hrant wird seitdem als ein Nationalheld von der türkischen Polizei behandelt. Polizisten posieren stolz mit dem Mörder vor Kameras.

Am 28. November 2007 wurde der Mönch Daniel Savci in Turabdin, im südöstlichen Teil der Türkei gekidnappt. Die Täter sind Dorfwächter, die im Dienst der Staatssicherheit arbeiten. Während der Ereignisse, um das Kloster Mar Gabriel, hat das Kloster-Personal mehrere Morddrohungen erhalten. Die Drohungen stammten von einem Dorfwächter und anderen Leuten. Trotz wiederholter offener Drohungen gegen das Kloster-Personal – die Drohungen wurden auch von den Medien veröffentlicht- wurde von der Polizei nichts dagegen unternommen. Die Drohungen stammen von Personen, die dem Aga Suleyman Celebi im Turabdin Gebiet nahe stehen. Suleyman Celebi ist im türkischen Parlament als Mitglied der regierenden AK Partei aktiv.

Die Mordwaffen stammten in den meisten Fällen aus dem Besitz von Dorfwächtern, die von der Regierung ausgestattet werden. Aber kein einziger dieser Morde hat je zu einer Verhaftungen geführt. Die Opfer sind alle Dissidenten in Bezug auf die Kemalistische-Ideologie gewesen, sie sind Journalisten, Intellektuelle, Oppositionsmitglieder und Christen gewesen, die ihre Rechte suchten. Keiner wurde verschont. Von kurdischen Politikern bis zur winzigen Suryoye Minderheit und anderen Christen, die nie eine Bedrohung gegen das "Kemalismus" gewesen sind, sind alle Opfer des Terrornetzwerk Ergenekon.

Es gibt viele Menschen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Türkei, die sich Fragen, wohin das Land geht. Es ist tatsächlich sehr ermutigend, dass die heutige Regierung nicht zögert, alle jene Generäle und Soldaten anzuzeigen, die einen Staat innerhalb des Staates gebildet haben um alle, die eine andere politische Ansicht haben zu terrorisieren.

Aber die, die verstehen wie die Macht-Strukturen in der Türkei funktionieren, fürchten, das was jetzt folgt: Die AKP Regierung zusammen mit den Anhängern der Fettullah-Sekte haben begonnen die Positionen in allen militärischen- und Regierungseinrichtungen zu besetzen. Mit dem Ziel, die konkurrierende Macht-Struktur zu brechen, um ihre eigene Position zu stärken und so die volle Kontrolle des Staates zu übernehmen. Die Frage ist, ob die AKP Regierung, das auf "Kemalismus" basierter „Ergenekon" beseitigen will, um Ihre eigenen auf "islamfaschistische" Ideologien basierenden "Ergenekon" zu gründen.

 

Orginal Text in Englisch auf AINA.org
Dikran Ego
Journalist


1 im Originaltext Assyrian

 


DruckenDrucken | 17-02-2010, 16:10:00 | Admin

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