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Der Aufstieg Assyriens
Der Aufstieg Assyriens "Der Aufstieg Assyriens"

In den vorangegangen Serien haben wir versucht die Geschichte Babyloniens ausführlich und detailliert unseren Lesern wiederzugeben. Vom großen Herrscher Hammurabi bis hin zu Nebukadnezar und ihrem letzten offiziellen König Nabonid haben wir die Ereignisse in Babylonien von ihren positiven wie negativen Seiten analytisch betrachtet. Nun ist es and er zeit, noch einmal in der Geschichte zurückzugehen und diese von Anfang an zu betrachten. Vor allem wie sich die Ereignisse und Umstände im nördlichen Mesopotamien entwickelten, wo der Stern Assyriens am Himmel aufsteigen und Jahrhunderte Lang ganz Mesopotamien in Atem halten sollte. Konzentrieren sollte sich der Aufstieg Assyriens an einer am Westufer des oberen Tigris gelegene Stadt namens Assur.

1. Das Alte Assyrien

Die Frühgeschichte Assurs ist zunächst in Nebel gehüllt, aber die Stadt scheint sich wie viele andere Städte im nordmesopotamischen Raum für eine längere Zeit in der Abhängigkeit von Akkad und der Dritten Dynastie von Ur befunden zu haben. Selbst die assyrische Sprache ist ein nördlicher Dialekt des semitischen Akkadisch. Die assyrische Königsliste berichtet, dass die ersten Herrscher noch in Zelten wohnten, und weist somit auf ihr Nomadenleben hin. Für Angaben zu den allen frühen assyrischen Herrschern fehlt jedoch bis in die heutigen Tage hinein die genau historische Überlieferung. Das Königtum war von Anfang an auf die Stadt und den gleichnamigen Stadtgott ausgerichtet. Die assyrischen Könige verstanden sich in diesem Kontext weniger als Herrscher, als vielmehr Stellvertreter des Gottes Assur.

Nach dem Zerfall der III. Dynastie von Ur nützte Puzur-Aschur der I., der selbst eine akkadäische Herkunft hatte, nun die Gunst der Lage, rief die Unabhängigkeit der Stadt Assur aus und gründete somit die 1. Dynastie Assyriens. Die Entwicklung Assyriens wurde beeinflusst von Kaufleuten, die von den strategischen Handelsrouten zwischen Syrien und Babylonien profitierten. Der assyrische König Iluschuma konnte infolge der gut entwickelten Handelsbeziehungen die Stadt Assur im Westasien zu einem der wichtigsten Handelsplätze machen. In der Zeit dieser früh assyrische Dynastie, die von 1925-1725 v. Chr. währte, galt Kanasch (das heutige Kayseri) als eine wichtige Herbergen im Netz der Handelskolonie Anatoliens. Die Assyrer errichteten in der Nähe der Stadt Kanasch eine Kolonie und kontrollierten von hieraus den Gesamten Handel Anatoliens. Die Waren, besonders eigenproduzierte oder babylonische Wollstoffe und Zinn aus dem Iran konnten hohe Gewinne erwirtschaften. Im Zuge der wirtschaftlichen Prosperität entfaltete sich auch der kulturelle Einfluss Assyriens. Die Stadt Assur hingegen wurde im Zuge dessen zur Metropole der Wohlhabenden gemacht.

Ein Amurriter namens Schamschi-Adad I., Sohn eines Fürsten aus der Gegend um Mari am mittleren Euphrat, verdrängte den einheimischen assyrischen Herrscher und etablierte eine eigene Dynastie. Im Jahre 1813 v. Chr. übernahm Schamschi-Adad I. die Macht Assyriens, welche in der letzten Zeit geschwächt worden war und verlieh ihr eine neue Pracht. Ähnlich wie sein Zeitgenosse Hammurabi nutzte Schamschi-Adad die Zersplitterung der politischen Landkarte Nordmesopotamiens aus, um seine Macht zu festigen. Im Zuge einer geschickten Bündnispolitik ging er von einem Erfolg zum anderen Erfolg über und machte Assyrien zu einer Macht, die den gesamten Norden Mesopotamiens umfasste. Schamschi-Adad veränderte die Form der Regierbarkeit, sicherte den neuen Königstitel per Gesetz ab und erklärte sich somit zum 1. assyrischen König. Das war auch das erste Mal in der Geschichte, dass die Stadtstaaten Assur, Niniveh und Erbil gemeinsam von einem König beherrscht und geführt wurden. Die von babylonischer Kultur geprägten Neigungen des Nichtassyrers zeigten sich am deutlichsten in der Gleichsetzung des babylonischen Gottes Enlil mit dem Stadtgott Assur.

Das assyrische Reich, das den gesamten Norden Mesopotamiens und den Großteil Syriens umfasste, begann viele Städte zu errichten, besonders in der ertragreichen Gegend al Dchazira, die den meisten Lebensmittelbedarf aller Städte des Reiches decken konnte. Schamschi-Adad starb im Jahre 1781 v. Chr. und sein Sohn Ischme-Dagan erbte den Thron. Schamschi-Adads durchaus fähiger Sohn Ischme-Dagan konnte sich jedoch im Spiel der Mächte nicht lange behaupten, so dass er sehr bald auf das assyrische Kerngebiet beschränkt blieb. Nomadeneinfälle aus dem Iran verschlimmerte die Situation. Auch der Versuch sich an Hammurabi anzulehnen brachte keinen praktischen Erfolg. Der weitgespannte Handel kommt in dieser Zeit ebenfalls völlig zum Erliegen. Die aus dem Süden Irans kommenden Elamiter und nahmen die Stadt Assur unter ihre Gewalt. Aber die Macht des assyrischen Reichs fällt kurz darauf für eine Phase in die Hände des babylonischen Königs Hammurabi. Mit der Regierung von Ischme-Dagan endete das Altassyrische Reich. Assur war in dieser Zeit offenbar wieder auf die Größe eines Stadtstaates reduziert worden.

Nach dem Fall Babylons mussten die Angehörigen des assyrischen Reiches im Schatten der in Mesopotamien sesshaft gewordenen Hurriter leben. Der Hurriter profitierte auch von der Schwächeperiode des Hethiterreiches. So gelingt es einem Mittani König im 15. Jahrhundert v. Chr. durch die Inbesitznahme Aleppos seine Herrschaft über ganz Nordsyrien bis zum Mittelmeer auszudehnen. Als die Mittanier zur Mitte des 15. Jahrhunderts v. Chr. diese Gebiete eroberten machten das Land der Assyrer zu einem Pufferstaat ihrer Schirmherrschaft, degradierten die Könige und ließen sie als eine Art Bürgermeister für sich dienen. In dieser Zeit verstärkten sich vor allem die Beziehungen der Ägypter und Hurriter, deren Interessen kollidierten. Die zweimalige Entsendung des Kultbildes der assyrischen Ishtar von Niniveh - ein Hinweis auf die damalige Herrschaft über Assyrien - zur Heilung des erkrankten Pharao beweist, wie eng sich die Beziehungen zeitweise gestalteten. Ein wichtiges Motiv für die Allianz zwischen Ägypten und Mittani war das Wiedererstarken des Hethiterreiches. Aber nachdem sich die Beziehungen in der Allianz verschlechterten nutze der hurritische König Schuppilluliuma die Gunst der Stunde und griff Mittani an und brachte den gewünschten Erfolg: Mittani brach vollständig zusammen.

Diese Situation nutze der assyrische König Assur-uballit I., um die Souveränität Assurs wiederherzustellen. Nachdem sich die Assyrer wider organisiert hatten, eroberten sie im Jahre 1365 v. Chr. den fruchtbaren Boden im Norden und Westen der mittanischen Stadt Assur und machten diese Gegend folglich wieder zum Zentrum Assyriens.

Admin, 02.06.06


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