Ein Bekenntnis des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einer "einzigen Religion" als vom Staat zu schützendes Gut hat Kritik der griechischen Minderheit und der Opposition ausgelöst. Wenn es so sei, wie Erdogan sage, dann müssten die griechischstämmigen Türken das Land wohl verlassen, sagte der Sprecher der griechischen Gemeinde, Laki Vingas, der Zeitung "Taraf" (Montag). Er sei über Erdogans Äußerung sehr überrascht, betonte Vingas mit Blick auf die Reformen der Regierung zugunsten der nicht-muslimischen Minderheiten in den vergangenen Jahren. Auch die säkularistische Oppositionspartei CHP kritisierte Erdogan. Religion sei nicht Sache eines Staates, sondern seiner Bürger, sagte CHP-Vizechef Sezgin Tanrikulu in "Taraf".
Kritik kam auch von den Aleviten, Mitglieder einer liberalen Glaubensrichtung des Islam, die in der mehrheitlich sunnitischen Türkei nicht als eigenes Bekenntnis anerkannt wird. Erdogan hatte am Wochenende bei einer Parteiversammlung im südtürkischen Adana die Kritik von Kurdenpolitikern an angeblichen Aussagen gegen mehr Freiheit für die kurdische Sprache zurückgewiesen. Er habe nicht von einer "einzigen Sprache" - auf Türkisch: "tek dil" - als schützenswertes Gut gesprochen, sondern von einer "einzigen Religion" - "tek din". Der Wortlaut der Rede wurde in einer redaktionellen Fassung auf der Website der Regierungspartei AKP veröffentlicht.
Die Bürger der Türkei sind zu rund 99 Prozent Muslime. Erdogan, der praktizierender Muslim ist, wandte sich auch gegen religiöse Intoleranz und "religiösen Nationalismus". Er sagte, sein Respekt gegenüber Nicht-Muslimen sei mindestens so groß wie der gegenüber Muslimen. "Das können Christen, Juden, Atheisten oder sonstwas sein", so Erdogan: "Es ist unsere Aufgabe, sie zu schützen." Seine Regierung hatte in den vergangenen Jahren unter anderem eine Rückgabe enteigneter Immobilien an die Christen in der Türkei ermöglicht.
Quelle: www.domradio.de
Drucken | review | 07.05.2012, 12:03 |
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